#04: Endlich geht es los… oder auch nicht!

Nach den letzten zwei wirklich noch sehr stressigen Wochen konnten wir es am Abreisetag gemütlicher angehen. Wir hatten ausreichend Zeit, um uns in einem Café am Flughafen von unserem «Abschiedskomitee» zu verabschieden. Vielen Dank an Alle, die extra für uns an den Flughafen gereist sind – das hat uns viel bedeutet! Namentlich erwähnt werden wollte meine Schwester – also das hast du jetzt davon – ein besonderes DANKE an Nicole, dass sie die weite Reise aus Klotens Nachbardorf an den Flughafen auf sich genommen hat ;-) 

Wie der Zufall es wollte, sind am selben Tag noch gute Freunde von uns fast zeitgleich in die Ferien geflogen. So konnten wir sogar noch gemeinsam am Gate sitzen und die Wartezeit zusammen verbringen. Dabei fiel dann auch endlich die Anspannung etwas von uns ab – wir hatten kaum ein müdes Lächeln übrig für die angekündigte Verspätung von 30 Minuten für unseren Flug von Zürich nach Frankfurt. Wir haben extra einen Flug mit mehr als genug Pufferzeit in Frankfurt gebucht, damit wir auf jeden Fall unseren Weiterflug in Frankfurt (via Singapur) nach Sydney erreichten. Notfalls hätten wir sogar noch mit dem Auto nach Frankfurt fahren können, ging doch unser Anschlussflug erst abends um 21:40 Uhr. Eine halbstündige Verzögerung konnte uns nun wirklich nicht aus der Ruhe bringen.

Ein alarmiertes «ähhh, Schatz?!» von Basil riss Michelle aus dem Gespräch mit ihrer Freundin. Basils Tonfall war sofort anzuhören, dass etwas nicht in Ordnung war: Eine SMS von Singapore Airlines informierte uns, dass unser Flug von Frankfurt nach Singapur aus technischen Gründen auf den nächsten Tag verschoben wurde. Zum Glück hatte unser erster Flug bereits Verspätung, ansonsten hätten wir die SMS nicht mehr vor dem Abflug nach Frankfurt gesehen und somit nicht mehr die Gelegenheit gehabt, mit unserem Reisebüro zu telefonieren. Doch so konnte Globetrotter sich während unseres Fluges über Umbuchungsmöglichkeiten informieren. Nach Frankfurt sind wir dann wohl fast in Überschallgeschwindigkeit geflogen: Der Pilot hat nach der Landung ganz stolz verkündet, dass er auf diesem kurzen Flug ganze 13 Minuten aufgeholt habe und dass wohl fast reiche, um ins Guinness Buch der Weltrekorde aufgenommen zu werden. Viele Mitreisende waren etwas gestresst, weil nicht mehr alle Anschlussflüge gewährleistet werden konnten. Bei uns war eher das Gegenteil der Fall. Wir werden viel, wirklich gaaaanz viel Zeit in Frankfurt haben. Denn leider erfuhren wir bei der Ankunft in Frankfurt, dass es tatsächlich keine andere Möglichkeit gibt, als erst am Folgetag um 15:00 Uhr nach Singapur zu fliegen. Dort haben wir dann einen über 10-stündigen Aufenthalt, bevor wir nach Sydney weiterfliegen können. Insgesamt also eine Verspätung von genau 24 Stunden. Aber ja, was will man machen? Hatten wir bisher eigentlich immer Glück mit unseren Flugreisen, so steht das Jahr 2024 für uns in dieser Hinsicht eher unter nicht so einem guten Stern: Schon auf der Heimreise von unseren Winterferien in Nordnorwegen zu Jahresbeginn haben wir sage und schreibe 3 Nächte später als geplant zurück nach Hause reisen können.

Während die Airline uns bereits beide Flüge umgebucht hat, haben wir lediglich noch ein Hotel in Frankfurt buchen und die Unterkunft in Sydney informieren müssen, dass wir mit einem Tag Verspätung ankommen werden. Eigentlich war es noch ganz schön, einen ruhigen Nachmittag im Hotelzimmer, statt im Transitbereich des Flughafens verbringen zu müssen. Doch irgendwie kam durch das Ganze das Ferienfeeling bei uns noch gar nicht so richtig auf. Wir warten noch darauf, dass wir wirklich realisieren, dass wir für ein ganzes Jahr unterwegs sein werden.  

Am nächsten Vormittag sind wir dann ausgeschlafen und mit neuem Elan wieder an den Flughafen gefahren. Neuer Tag, neues Glück – oder auch nicht! Die nette Dame am Schalter hat uns nämlich informiert, dass auch der neue Flug wieder ein bisschen Verspätung habe. Man wisse noch nicht so genau, wie viel, aber zurzeit sei die Abflugzeit auf 18:30 Uhr angesetzt. Weitere 3.5 Stunden also. Wir konnten damit jedoch nicht aus der Fassung gebracht werden. Dies bedeutet schliesslich nur, dass wir jetzt in Singapur nur noch 7 statt über 10 Stunden Aufenthalt haben. Während wir ganz entspannt blieben, war unser Gegenüber bereits nahe an einem Nervenzusammenbruch, weil sich unsere Tickets nicht drucken liessen, sie unser zusätzliches Gepäckstück nicht einkassieren konnte, die Gepäckmaschine zwischenzeitlich nicht mehr funktionierte, sie das Procedere mit den Essensvouchern nicht kannte und dabei die Schlange hinter uns immer länger wurde. Nach fast einer Stunde am Schalter haben wir uns von ihr verabschiedet und ihr noch «starke Nerven» für den restlichen Tag gewünscht :-)

Nun durften wir mit den restlichen Gestrandeten – was bei einem A380 nicht gerade wenige Passagiere sind – im Hotel Sheraton ein Lunchbuffet in einem ungemütlichen Konferenzraum geniessen. Den Nachmittag verbrachten wir in der Hotellobby, um dann – geplant war ja noch immer ein Abflug um 18:30 Uhr – wieder rechtzeitig am Gate zu sein. Mittlerweile sind wir schon fast sowas wie eine Familie. Man winkt sich zu, wechselt ein paar Worte und muntert sich gegenseitig auf. Als um 18 Uhr noch immer keine Anstalten gemacht wurden, um mit dem Boarding zu beginnen, machte sich langsam wieder Unruhe breit. Die folgende Situation hätte man filmen sollen: Da das Mikrophon des Singapore Airline Schalters nur eine sehr geringe Reichweite hat, scharen sich um 18:30 Uhr die Passagiere alle gebannt um den Schalter. Wir sprechen hier von beinahe 500 Personen! Die Station Managerin verkündete, dass der technische Defekt leider noch nicht gänzlich behoben werden konnte. Die Crew sei zwar bereits seit längerem in Frankfurt und arbeite mit Hochdruck am Problem, doch ein Teilchen sei wohl (aufgrund der winterlichen Temperaturen in Europa?!) noch irgendwo hängen geblieben. Anyway, auf jeden Fall können wir heute nicht weiterfliegen. Wir sollen doch bitte alle wieder zurück zum Gepäckband und dann weiter ins Flughafenhotel, wo wir (wieder) gratis übernachten können und verpflegt werden. Die Stimmung ist nicht mehr ganz so entspannt… Während sich die meisten leise aufregen oder mit dem/der Nebenstehenden austauschen, tickt die eine etwas stärker aus und schreit die Bude zusammen, was denn das bitte für eine S******-Airline sei. Bis wir unser Gepäck wieder haben und eingecheckt sind, ist es 21 Uhr. Danach mal wieder munteres Abendessen mit neuen Leidesgenossen... Sich gegenseitigen Mut zureden, seine Reisegeschichte erzählen und freundschaftliches «dann bis morgen und gute Erholung»-wünschen. Eins ist klar, so gut wie auf diesem Flug haben wir unsere Mitreisenden noch nie kennengelernt.

Natürlich ist die Situation ärgerlich und wir haben uns den Start in unser Abenteuer bestimmt nicht so vorgestellt. Wir können es jedoch relativ gelassen nehmen. Immerhin sind wir in der privilegierten Situation, dass diese Verspätung schlussendlich einen vernachlässigbaren Teil unserer einjährigen Reise ist und keine schlimmeren Konsequenzen nach sich zieht. Selbstverständlich hätten wir gerne mehr von Sydney gesehen, vielleicht verpassen wir sogar Silvester. Aber auf dem Flug sind ganz viele Reisende, die es viel schlimmer trifft. Wir haben von einer Person gehört, welche die Hochzeit der Schwester verpasst. Reisende, die ihre geplante Route nicht mehr aufholen können und nun die ganze Reise ins Wanken gerät. Personen, die nur einen kurzen Urlaub gebucht haben oder einfach auch ganz vielen Familien mit kleinen Kindern, die den ganzen Zirkus hier auch mitmachen müssen. Da können wir zwei uns kaum beschweren.

Im Moment ist noch völlig unklar, wann und wie es weitergeht. Umbuchungen auf andere Flüge sind zurzeit fast unmöglich, da aufgrund der Feiertage alle Flüge stark ausgelastet sind. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als abzuwarten… Die Odyssee ist noch nicht zu Ende, wir melden uns wieder!

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#05: Goodbye Frankfurt, Hello Sydney

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#03: Endspurt