#07: Auf Zickzack-Kurs

Unsere Route führte uns von den Blue Mountains an die Küste, entlang der Küste von Stanwell Tops bis Kiama, danach wieder landeinwärts über eine Passstrasse bis in den Morton Nationalpark. Von dort fuhren wir durch ländliche Gegenden zurück an die Küste an die Jervis Bay, um dann wiederum zurück ins Landesinnere durch den Kosciuszko Nationalpark sowie den Mount Buffalo Nationalpark zu kurven. Wieder an die Küste gelangten wir über die Great Alpine Road und legten einen Stopp am Paradise Beach ein – dank des gewählten Zickzack-Kurses konnten wir in kurzer Zeit viele verschiedene Landschaftszüge sehen und so einen Einblick in die Vielseitigkeit Südostaustraliens erhalten. Ein wahres Kontrastprogramm!

Blue Mountains National Park

Wenn wir einen Namen für die Blue Mountains anhand unserer ersten knapp 24 Stunden vor Ort hätten wählen müssen, dann hätten wir sie wohl Grey Mountains, Foggy Mountains oder Mystic Mountains genannt. Stockdichter Nebel hüllte die Umgebung ein, den Gang zu einer Aussichtsplattform konnte man sich getrost sparen. Dafür lohnte es sich, ein wenig in die Tiefe zu steigen und den Regenwald zu erkunden. Der Nebel verlieh dem Wald eine ganz besondere Magie – man fühlte sich wie in einer Märchenwelt. Als der Nebel sich dann langsam lichtete, war der Wow-Moment umso grösser. Plötzlich konnte man den Blick in die Ferne schweifen lassen. Man sah die Kakadus über die bewaldeten Täler fliegen (dank des weissen Gefieders konnte man sie auch in grosser Distanz noch sehr gut ausmachen) und wir hofften jedes Mal, dass einer zu den Katoomba Falls kommt, wo wir auf der Aussichtsplattform standen. 

Die Blue Mountains können auf zahlreichen Wanderwegen von verschiedenen Dörfern aus erkundet werden. Wir haben insgesamt vier Wanderungen gemacht und eine gute Übersicht über die Vielseitigkeit des Parks erhalten: Den Regenwald haben wir bei Nebel erkundet, auf dem Prince Henry Cliff Walk konnten wir von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt laufen und die spektakuläre Weitsicht geniessen. Den Talboden entdeckten wir auf dem Grand Canyon Walk, eine ebenfalls absolut empfehlenswerte Wanderung. Nicht vergessen: Bei Canyonwanderungen kommt der anstrengende Teil zum Schluss, somit an heissen Tagen früh starten und genügend Wasser mitbringen. Als vierte und letzte Wanderung machten wir den Overcliff-Undercliff Track. Wie der Name schon sagt, bewegt man sich immer knapp unter respektive über dem Klippenrand. Einige Eindrücke von unseren Wanderungen in den Blue Mountains findest du in unserer Galerie.

Küstenabschnitt von Stanwell Tops bis Kiama

Ein erstes bisschen Küsten- und Strandluft konnten wir zwischen Stanwell Tops und Kiama schnuppern. An den Stränden merkt man am besten, dass zurzeit gerade Ferienzeit ist: Die öffentlichen Barbecue-Stellen werden rege genutzt, es wird im Wasser herumgeplantscht, Surf-Versuche unternommen, unter Sonnenschirmen/-zelten entspannt, Drachen steigen gelassen – es herrscht ein buntes Treiben. Uns ist es zu viel Trubel, weshalb wir nur zwei kurze Zwischenstopps einlegen, um unsere Füsse doch mal noch ins Meer stecken zu können, bevor wir wieder ins Landesinnere abbiegen, um zu unserem nächsten Campingplatz zu gelangen.

 

Morton National Park

Den Morton Nationalpark haben wir eher durch Zufall entdeckt. Wir waren (in der Planungsphase) auf der Suche nach einem schönen Campingplatz und sind so auf den einfachen und kleinen Campingplatz Gambells Rest im Morton National Park gestossen. Auch «einfache» Campingplätze verfügen in der Regel über irgendeine Art von WC und häufig hat es auch mindestens einen Barbecue-Bereich, welcher den Camping-Gästen zur freien Verfügung steht.  Auf den Campingplatz-Bildern im Internet haben wir gesehen, dass hier wohl öfters Kängurus anzutreffen sind. Und tatsächlich: Am Abend haben wir unsere ersten beiden (wilden und lebenden) Kängurus gesehen. Eine Mutter ist mit ihrem Jungen auf die Picknick-Wiese unweit des Campingplatzes gekommen, um zu grasen. Da sie ziemlich skeptisch und scheu waren, haben wir sie nur kurz beobachtet und uns dann wieder zurückgezogen. Am nächsten Morgen sind wir früh aufgestanden und siehe da: plötzlich waren drei Mutter-Kind-Paare da! Bevor wir uns wieder in Richtung Küste aufmachten, blieb noch Zeit für ein paar kürzere Spaziergänge im Park. Einige Fotos zum Morton Nationalpark findest du in der Galerie.

 

Jervis Bay  

An der Jervis Bay konnten wir uns einen Stellplatz in Strandnähe ergattern. Leider hat es beinahe die ganze Zeit über geregnet. Ein Strandspaziergang bei Regen und in entsprechender Regenkleidung ist einfach nicht dasselbe wie bei strahlendem Sonnenschein und türkis schimmerndem Wasser. Trotz dem tristen «Grau in Grau» haben wir das Potential des Green Patch Beach erkannt. Es wird sowieso davon abgeraten, an diesem Strand zu baden. Dafür hat es zu viel Strömung, kann unerwartet hohe Wellen geben, weist zu viele tief abfallende Stellen auf, und allenfalls kommen hier Quallen und Haie vor. Da sind wir doch schon beinahe froh, dass das Regenwetter uns erst gar nicht erst in Versuchung bringt, ins Wasser zu gehen! Doch auch an Land befinden wir uns in der «Gefahrenzone»: Beim Eingang zum Campingplatz wird vor Schlangen, Spinnen und Zecken gewarnt. Ausser ein paar grasender Kängurus und jeder Menge Vögel begegnen wir hier jedoch keinen weiteren Tieren. Wir nehmen die potenziell gefährlichen/giftigen Tiere Australiens jedoch sehr ernst. Vielleicht haben wir diesbezüglich eine klitzekleine Paranoia entwickelt (wir haben wahrscheinlich schon zu viele Schauergeschichten und -videos gesehen respektive sind wir uns die Fülle an Gifttieren schlichtweg nicht gewohnt). Wir stecken unsere Schuhe deshalb über Nacht in Waschsäcke mit Reissverschluss (keine Spinne kommt rein, trotzdem werden die Schuhe belüftet – herzlichen Dank für den Tipp, Sarah!), zum Lüften öffnen wir jeweils nur diejenigen Fenster unseres Campervans, die mit einem Mückengitter versehen sind und wenn wir wandern, tragen wir festes Schuhwerk, bleiben auf den Wegen und treten fest auf (man könnte es durchaus als Stampfen bezeichnen…),  wir suchen den Boden sehr (wirklich SEHR) genau nach Schlangen ab und schauen gut, wo wir hintreten oder hin greifen. Auf einen Schlangen- oder Spinnenbiss haben wir einfach echt keine Lust.

Unsere selbst ernannte Formel zur Tierwelt Australiens: Alles mit weniger als zwei oder mehr als vier Beinen ist potenziell gefährlich (weil potenziell giftig) und alles mit zwei bis vier Beinen ist potenziell gefährlich (weil sie dir potenziell vor’s Auto hüpfen/laufen), ergo… du ahnst es… sind alle Tiere Australiens potenziell gefährlich :-)

Kosciuszko National Park 

Erneut wenden wir uns von der Küste ab und gelangen wieder ins Landesinnere. Um die lange Fahrt in den Mount Kosciuszko Nationalpark zu unterbrechen, legen wir einen Zwischenstopp im NSW State Correctional Museum ein und erfahren einiges über die über 200-jährige Geschichte des Strafvollzugs in New South Wales. Im Kosciuszko Nationalpark haben wir uns ein tollkühnes Ziel gesetzt: Wir möchten den höchsten Berg des australischen Festlands besteigen. Nach ausreichend Akklimatisationszeit und etlichen Trainingsläufen wagen wir schliesslich unter optimalen Wetterbedingungen einen ersten Gipfelbesteigungsversuch: Vom Städtchen Thredbo gelangen wir auf einer gemütlichen Sesselliftfahrt zur Bergstation Eagles Nest (1937 M.ü.M). Von dort führt ein 6 km langer Wanderweg – etwa zu 90% aus einem Gitterrost bestehend – schweisstreibende 291 Höhenmeter bis auf den Gipfel. Zusammen mit Hinz und Kunz stehen wir auf dem Gipfel des Mount Kosciuszko (2228 M.ü.M)! Man muss wahrlich keine Meisterleistung erbringen (der Weg ist beinahe rollstuhlgängig und kinderwagengerecht), um diesen Gipfel zu erzwingen. Die Rundumsicht ist aber auch so sehr beeindruckend und die Wanderung sehr empfehlenswert. Ist doch schön, wenn auch ungeübte «Bergsteiger/innen» wie wir sagen können, dass er/sie den höchsten Berg eines Landes bezwungen hat. Impressionen zum Kosciuszko National Park findest du hier.

Dass wir uns in den Bergen befinden, sieht man einerseits natürlich der sich verändernden Vegetation an. Andererseits aber auch den sinkenden Temperaturen. In der einen Nacht hatten wir gerade mal 0° C. Uns wäre das gar nicht mal gross aufgefallen. Obwohl der Campervan nicht gut (gar nicht?) isoliert ist, hatten wir mit unseren Decken und Schlafsäcken warm genug und hätten vermutlich durchgeschlafen, wenn sich nachts um 03:45 Uhr nicht plötzlich unser Rauchmelder bemerkbar gemacht hätte. Wenigstens ging er nicht voll los, sondern kündigte sich zuerst mit verhältnismässig leisem Gepiepse an. Irgendetwas passte ihm nicht… Zuerst haben wir uns versichert, dass alle 3 Herdplatten auch wirklich ausgeschaltet waren und zur Sicherheit noch die Dachluke und das Seitenfenster weiter geöffnet. Doch nach ein paar Minuten meldete sich der Rauchmelder wieder… Also ging Basil raus und drehte die Gasflasche komplett zu, zusätzlich lüfteten wir nochmals gut durch (wie gesagt, es waren Null Grad…). Wieder verstrichen ein paar Minuten, dann piepte das Sch****-Ding wieder. Langsam wussten wir nicht mehr weiter. Wir wollten den Rauchmelder ungern einfach ausschalten (Gas riecht man ja bekanntlich nicht), aber auch gerne noch ein wenig schlafen. Ein Handbuch zum Campervan in physischer Form gibt es nicht. Zu den wichtigsten Themen rund um den Camper (wozu der Rauchmelder jedoch nicht zählt) gibt es in der thl-App zwar verschiedene Erklär-Videos, doch die App funktioniert nur mit einer Internetverbindung… Und jetzt rate mal, wie gut unsere Internetverbindung in den Bergen Australiens auf einem abgelegenen Campingplatz war?! Genau, so ungefähr – der Temperatur entsprechend – gleich Null. Irgendwann konnten wir einen «halben Strich» Empfang ergattern und mal Google fragen, warum wohl der Rauchmelder scheinbar grundlos losgeht. Eine mögliche Antwort war: dem ist kalt. Ähm, wie bitte? Na gut, wenn dem guten Ding kalt ist, dann wollen wir doch mal ganz schnell Abhilfe schaffen (immerhin sind mittlerweile auch schon fast anderthalb Stunden vergangen). Rauchmelder abgeschraubt und ins Bett unter die Decke gesteckt. Thema erledigt. Somit hier unser Camping-Profi-Tipp: Wenn der Rauchmelder aus unerfindlichen Gründen losgeht, könnte es sein, dass ihm (respektive der Batterie) einfach nur kalt ist und einen warmen Platz möchte :-)

 

Mount Buffalo National Park & Great Alpine Road

Auf kurvenreichen Strassen führte unser Weg weiter durch die australischen Alpen bis in den Mount Buffalo National Park. Insbesondere die letzte Strecke vom quirligen Städtchen Bright bis hoch auf das Plateau ist sehr kurvig und eng, lohnt sich aber allemal. Vom Hochplateau hat man nicht nur eine fantastische Sicht in alle Richtungen, sondern auch diverse Wandermöglichkeiten. Besonders auffällig sind die die vielen grossen Steinbrocken und Felsen wie z.B. The Cathedral, The Torpedo, The Monolith oder Leviathan. Ein Chalet, welches leider seit 2007 geschlossen ist, befindet sich in bester Lage und soll irgendwann wieder eröffnen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann man lediglich durch die Fenster einen Blick ins Innere und die teilweise noch immer komplett ausgestatteten Zimmer werfen. Unsere Bilder zum Mount Buffalo National Park findest du in unserer Galerie. Die Fahrt vom Mount Buffalo National Park auf der Great Alpine Road bis ins Skigebiet Hotham (1750 M.ü.M.) ist (wortwörtlich) atemberaubend: Die Strassen schlängeln sich stetig weiter nach oben, Leitplanken oder ähnliches gibt es an den wenigsten Stellen. Auf dieser Strecke wird vom Fahrer/von der Fahrerin volle Konzentration gefordert. Glücklicherweise gibt es immer wieder Parkbuchten, sodass auch diese/r die phänomenale Aussicht geniessen kann. Freundlicherweise gibt es überall Hinweisschilder, dass man bitte rechts von den Pfosten fahren soll – ein wirklich weiser Ratschlag. Führe man links davon… tja… dann wär’s das dann gewesen…

Wir durchqueren den Alpine National Park und fahren danach über längere Zeit einem Fluss entlang und durch Farm- und Weideland. Erneut gibt es am Nachmittag sehr starke Regenfälle. So sind wir dann froh, als wir bei strömendem Regen die lange Etappe hinter uns gebracht haben.

Paradise Beach

Der Paradise Beach macht seinem Namen alle Ehre: ein kilometerlanger goldener Sandstrand mit vielen Muscheln und bis zum jetzigen Zeitpunkt unserer Reise dem schönsten Sonnenuntergang (vielleicht war dieser Sonnenuntergang die Entschädigung für die heftigen Regenfälle vom Nachmittag). Wir waren so ins Fotografieren vertieft, dass wir erst zu spät bemerkten, dass die Mücken grossen Gefallen an uns gefunden und uns heimtückisch regelrecht «aufgefressen» haben. Die wunderschöne Stimmung und die entstandenen Bilder waren die Stiche aber auf jeden Fall wert.

Weitere Eindrücke zu den in diesem Blogbeitrag erwähnten Stränden findest du in der Galerie «Südost-Küste».

 

Zurück
Zurück

#08: Von zauberhaften Stränden, rauen Küsten und putzigen Tierbegegnungen

Weiter
Weiter

#06: Der Start mit «unserem» Campervan