#13: Great Walk – Rakiura Track
Wie im letzten Blogeintrag angekündigt, werden wir in den nächsten Tagen separate Einträge zu den Mehrtageswanderungen veröffentlichen, die wir entlang der Southern Scenic Route unternommen haben. Wir haben uns in dieser Region für vier sogenannte Great Walks entschieden. Die Great Walks führen durch atemberaubende und vielfältige Landschaften und verfügen über eine gute Infrastruktur (will heissen, dass die Wege gut ausgebaut und auf den Wanderungen «gut ausgestattete» Selbstversorger-Hütten und/oder Campingplätze verfügbar sind – der Standard ist generell besser im Vergleich zu anderen Wanderwegen/Hütten in Neuseeland). Insgesamt gibt es zurzeit 11 Great Walks in Neuseeland. Diese Wanderungen sind unglaublich beliebt und müssen (in den meisten Fällen) Monate im Voraus gebucht werden. Wie genau das Buchungsprozedere abläuft, haben wir in unserem Blogeintrag #02: Den Traum in die Wirklichkeit umsetzen – unsere Reisevorbereitungen geschildert. Kurz zusammengefasst: sei pünktlich, bringe starke Nerven mit, habe Glück!
Eckdaten zum Rakiura Track
Anzahl Tage: 3
Übernachtungsorte: Port William Campsite (Zelt) North Arm Campsite (Zelt)
Wanderzeit: 11h 30min
Höhenmeter: 1300m hoch/runter
Distanz: 39km
Strecke: Rundwanderung, kann in beide Richtungen gelaufen werden
Anreise: Per Kleinflugzeug oder Fähre nach Stewart Island. Von dort zu Fuss oder mit einem Taxi an den Start/das Ende der Wanderung.
Anreise nach Stewart Island
Bei diesem Track war das Gesamterlebnis einfach toll. Der Rakiura Track befindet sich auf Stewart Island. Stewart Island wiederum ist eine rund 30 km südlich von der Südinsel Neuseelands vorgelagerte Insel. Auf die Insel gelangt man entweder auf einer knapp einstündigen Fährfahrt durch die – oftmals sehr raue – Meeresenge Foveaux-Strait oder aber auf einem 20-minütigen Flug in einem Kleinflugzeug. Da beide Varianten preislich sehr nahe beieinanderliegen, war für uns schnell klar, für welche Option wir uns entscheiden… Der Flughafen von Invercargill ist sehr überschaubar (5 Gates, vier davon gehen durch ein- und dieselbe Türe). Zwei Flieger sind fast zeitgleich nach Stewart Island geflogen (Gruppe «grün» und Gruppe «blau»). Wir gehörten zu den neun Personen aus Gruppe «grün». Mit dem Piloten läuft man ganz entspannt auf’s Rollfeld, hinter den Passagieren wird das Gepäck verstaut und nach einer kurzen Sicherheitsinstruktion geht es auch schon los. Die Propellermaschine bringt uns in gerade mal 20 Minuten auf die Insel. Die Aussicht ist spektakulär!
Ausflug ins Vogelparadies nach Ulva Island
Da wir mit dem Morgenflug nach Stewart Island gekommen sind und wir erst am Folgetag mit der Wanderung starten, bleibt uns noch fast ein ganzer Tag für eine Erkundungstour. Wir nehmen ein Wassertaxi nach Ulva Island. Dort leben viele seltene Vögel in einer «raubtierfreien» Umgebung (keine Ratten, Wiesel, etc.) und auch das umliegende Meer ist bei Meeresbewohnern aufgrund seines Nahrungsreichtums beliebt. Bereits am Pier auf Stewart Island kommt ein Seehund vorbei und präsentiert uns stolz seinen gefangenen Fisch, den er dann genüsslich vor uns verspeist. Kaum auf Ulva Island angekommen, kommt erneut ein Seehund in die Bucht geschwommen und markiert seine Präsenz. Auf ein paar Wanderwegen kann man die kleine Insel erkunden. Immer wieder trifft man auf Vögel, die man aus nächster Nähe beobachten kann. Ein äussertes friedlicher Ort!
Auf geht’s
Nach einer Nacht in Oban, der einzigen Siedlung auf Stewart Island, starten wir unsere dreitägige Wanderung. Da es nur drei Tage und nicht viele Höhenmeter zu bezwingen sind, eignet sich diese Wanderung gut als Einsteigertour und wir haben uns deshalb dafür entschieden, beide Male im Zelt zu übernachten. Die Campingplätze sind klein, wir sind jeweils etwa zu acht. Nebst einem Lavabo mit Wasser (welches abgekocht werden muss), einem gedeckten Unterstand mit Sitzgelegenheiten und einem Plumpsklo gibt es nicht viel (ausser natürlich viel Natur und Ruhe um einem herum). Da Stewart Island ziemlich abgeschieden ist, trifft man auf diesem Track vor allem Leute, die sich länger in Neuseeland aufhalten. Nebst spannenden Reisegeschichten ist es auch immer wieder amüsant und inspirierend zu sehen, was Leute alles auf eine Mehrtageswanderung mitnehmen. Unser Favorit: ein ultraschwerer Dosenöffner, um seine Sardinendosen öffnen zu können. Ganz neidisch wurden wir, als wir die «Schätze» eines französischen Paares beäugten. Die haben doch tatsächlich Nutella und Pringles mitgenommen! Ratet mal, was wir auf den folgenden Tracks auch immer mitgetragen haben – logisch, Nutella und Pringles :-)
Im Reich des Kiwis
Stewart Island ist ein super Ort, um Kiwis in freier Wildbahn zu sehen. Etwas Glück (sowie die Bereitschaft, das gemütliche Zelt in der Nacht zu verlassen) braucht es natürlich auch hier. Wir haben zwar zwei halbherzige Versuche unternommen (immerhin bei Dunkelheit, aber halt doch noch zu früh für Kiwi-Verhältnisse), doch leider blieben wir erfolglos. In der ersten Nacht hatte niemand in unserem Camp Glück. In der zweiten Nacht ist jemand fast über einen Kiwi gestolpert, als er nachts aufs Klo musste.
Eine unangenehme Begegnung
Basil hat dafür Bekanntschaft mit etwas anderem gemacht. Was dieses «Etwas» gewesen sein könnte, blieb lange Zeit rätselhaft. Nach der ersten Nacht war Basils rechter Arm mit diversen «Stichen» übersäht. Da es jedoch nicht juckte, dachten wir uns vorerst nichts weiter dabei. Erst am Abend fanden wir es etwas beunruhigend, weil der Arm stark angeschwollen und regelrecht heiss geworden war. Wir versuchten mit den uns zu Verfügung stehenden (bescheidenen) Mitteln, den Arm zu kühlen: feuchte Wickel mit einem Küchentuch, Kühlen auf der Chromstahlküchenzeile sowie die Einnahme eines Antihistaminikums. Viel gebracht hat dies alles nicht. Wenigstens wurden die Symptome auch nicht schlimmer. Dennoch waren wir beunruhigt, so waren wir doch 5 Gehstunden vom Dorf entfernt und wir hatten keinen Empfang. Niemand wusste recht, was es sein könnte. (Mücken)Stiche wurden aufgrund der hohen Anzahl und Dichte von vielen ausgeschlossen (und auch, weil wir anderen keine Beschwerden/Stiche hatten). Andere vermuteten, dass Basil beim Wandern mit seinem Arm eine Pflanze (Brennnessel o.ä.) gestreift haben könnte. Wobei wir uns nicht vorstellen können, dass du mit deinem gesamten Unterarm eine Brennnessel berührst und es nicht merkst…
(K)Eine matschige Angelegenheit
Den Track konnte Basil auch mit seinem geschwollenen Arm gut bewältigen. Der mittlere Tag hätte eine durchaus langwierige und matschige Angelegenheit werden können, denn an diesem Tag wird die Insel durchquert. Es wurde schon von hüfttiefem Matsch berichtet (uns ist schleierhaft, wie man sich durch hüfttiefen Matsch bewegen soll – schon ohne Rucksack scheint uns das ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, geschweige denn mit einem schweren Trekkingrucksack auf dem Rücken). Doch wir hatten Glück: auf Stewart Island hat es schon länger nicht mehr richtig geregnet und so waren die gefürchteten Stellen beinahe ausgetrocknet. Mehr als knöcheltief standen wir nie im Schlamm (und das auch nur, wenn wir uns verschätzt haben und sich eine vermeintlich trockene Stelle in eine kleine Matschpfütze verwandelte).
Ein Besuch bei der «Insel-Nurse»
Wieder in Oban angekommen, dachten wir uns, dass die Schwellung zurückgeht, wenn Basil den Arm ruhig hält und mit Eis kühlt (wir hatten glücklicherweise noch eine Nacht im Hotel auf Stewart Island). Die Restaurantangestellten wollten uns zuerst kein Eis zur Verfügung stellen, als wir daraufhin Basils Arm präsentierten, schauten sie Basils Arm alle mit grossen Augen an und gaben uns sofort ganz viel Eis. Doch auch sie wussten nicht, was die Ursache sein könnte. Leider hat die Kühl-Aktion auch nach mehreren Stunden nichts gebracht. Von der Hotelrezeption bekamen wir schliesslich die Telefonnummer der «Insel-Nurse» mit dem Hinweis, dass wir uns telefonisch auch ausserhalb der Öffnungszeiten bei ihr melden können. Wir haben gleich bei der Rückkehr bei der Insel-Nurse vorbeischauen wollen, sind jedoch vor verschlossenen Türen gestanden (gigantische Öffnungszeiten: 10:00 bis 12:30 Uhr – da muss man seine Wehwehchen und Unfälle wirklich gut timen!). Die Insel-Nurse war am Telefon sehr nett und so durften wir abends um 8 Uhr noch bei ihr in der Praxis vorbeischauen. Wirklich hilfreich war der Besuch bei ihr zwar nicht: Sie war ebenfalls ziemlich ratlos, hat uns aber immerhin stärkere Medikamente mitgegeben. Wieder zurück im Hotel, sind wir im Hotel-Restaurant auf die beiden Franzosen (die mit dem Nutella und den Pringles) gestossen. Zusammen haben wir noch einen gemütlichen und lustigen Abend verbracht (Basils Arm schmerzte und juckte nicht). Am nächsten Morgen mussten wir uns wieder für den Rückflug beim Shuttle-Bus-Terminal einfinden. Die Insel-Nurse ist extra noch vorbeigekommen, um zu fragen, wie es Basil geht und um ihm ein Formular (wofür auch immer) mitzugeben. Erneut war das Flugwetter perfekt und so genossen wir auch auf dem Rückflug die traumhafte Aussicht. Mit vielen guten Erinnerungen an den schönen und ereignisreichen Aufenthalt nehmen wir Abschied von Stewart Island.
Des Rätsels Lösung…
Nach ein paar weiteren Tagen ist Basils Arm dann wieder zu seinem Normalzustand zurückgekehrt und die Stiche sind auch langsam verblasst. In Te Anau haben wir seinen Arm zwei unabhängigen Leuten (jemanden vom Visitor Centre und jemanden in einem Outdoorladen) gezeigt: wie aus der Pistole geschossen kam von beiden dieselbe Antwort: Sandflies! Also doch (nur) Mückenstiche. Da hat wohl eine Mücke ganz besonders grossen Gefallen an Basils Arm gefunden und ist dort mal schön Amok gelaufen. Basils Immunsystem ist dann ebenfalls ein klein wenig eskaliert, hat mächtig zurückgefeuert und eine schöne allergische Reaktion hervorgezaubert. Ein wenig sonderbar finden wir zwar, dass die Inselbewohner (allen voran die Insel-Nurse) nicht auf Sandflies gekommen sind (diese sind nun wirklich sehr verbreitet in Neuseeland). Aber was soll’s – Ende gut, alles gut!
Hier kommst du zu weiteren Fotos vom Rakiura Track sowie zu Stewart Island im Allgemeinen.